Einführung
Welche Probleme müssen behoben werden? Aus welcher Perspektive kommt die Lösung, also was soll sie leisten? Und was sind die wichtigsten Definitionen und Begriffe für diese Lösung?
1. Ausgangspunkt und Probleme:
Welche zentralen Probleme im heutigen Geldsystem sollen mit dieser Lösung gelöst werden?
Das Problem des Geldes liegt im Widerspruch seiner Funktionen. Geld, das so designend ist, dass es leicht gehortet werden kann, kann in der Wirtschaft Zinsen als Nichthortungsprämie abverlangen und enormen volkswirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Schaden anrichten. Geld ist eine Art „Joker“ in der Wirtschaft. Es kann immer und überall gegen Waren eingetauscht werden, ist aber anders Waren nicht verderblich. Genau daraus resultiert der Zins als Nichthortungsprämie oder als „Prämie für den Verzicht auf Liquidität“ (Keynes). Zwar gibt es die Inflation, mag man jetzt einwenden. Diese ist aber auch nur ein Symptom der zinsbedingten steten Ausweitung der Geldmenge, was in den Wirtschaftswissenschaften allerdings ebenfalls nicht richtig verstanden wird. Geld kann nicht gleichzeitig als tausch- und zudem als Wertaufbewahrungsmittel dienlich zu sein. Die Kernidee der Natürlichen Wirtschaftsordnung –wir nennen sie auch Fairconomy“– ist es, eine Gebühr auf das Horten von Geld zu erheben, und so den ordnungsgemäßen Geldfluss zu ermöglichen, ohne dass es hierfür so wie heute den Zins als Nichthortungsprämie benötigt. Geld würde seine wichtigste volkswirtschaftliche Funktion erfüllen können, namentlich seiner Funktion als Tauschmittel, ohne dass es dazu so wie heute den Zins benötigt. Dadurch kann es der Wirtschaft besser als heute dienlich sein, es kann zu keinem Geldmangel mehr kommen und daraus resultierenden Krisen würden vermieden. Insbesondere wäre aber der Hauptgrund für die stetig wachsende Kluft zwischen Arm und Reich überwunden. Diese entsteht nämlich durch die zinsbedingt exponentiell wachenden Guthaben auf der einen und Schulden auf der anderen Seite. Dass die wachsende Ungleichheit mit dem Zins zusammenhängt, wird leider in der herkömmlichen Lehre nicht verstanden.
2. Voraussetzungen:
Welche wirtschaftlichen, politischen, sozialen oder reformerischen Bedingungen müssen erfüllt sein, um diese Probleme zu lösen?
Eine Geld- und Bodenreform nach freiwirtschaftlichem Vorbild. Hierdurch erfüllt Geld ungehindert seine gesellschaftlich wichtige Funktion als Tauschmittel. Die Bodenreform muss hier nicht zwangsläufig nach der Freiwirtschaft von Silvio Gesell erfolgen, sondern kann sich auch an der Bodensteuer des Ökonomen Henry Georges orientieren. Das sind zwei grundlegende Reformen, die den Staatshaushalt entlasten und viele andere Steuern überflüssig machen würden. Henry George war sogar der Ansicht, dass es neben der Bodenwertsteuer keiner weiteren Steuern wie etwa der Einkommenssteuer mehr benötigte.
3. Ziele:
a) Welche großen Ziele werden mit der Lösung angestrebt?
Eine Gesellschaftstransformation fort von einer auf ewiges Wachstum ausgerichteten, nach immer Mehr strebenden und im Grunde unfreien Gesellschaft hin zu einer Gesellschaft, die nur nach Bedarf wachsen (oder schrumpfen) und sich somit darauf konzentrieren kann, nach Glück, Freiheit und Nächstenliebe zu streben und im Einklang mit der Natur zu leben.
b) Welche Unterziele werden zur Erreichung der großen Ziele angestrebt?
Eine den Menschen dienliche Währung, sehr viel weniger Ungleichheit, Vollbeschäftigung, Umweltschutz, keine Krisen, keine Kriege, Weltfrieden, ausgeglichener Wohlstand, echter Umweltschutz, echte Demokratie und freiheitliche Entfaltung der Menschheit. Mit der FAIRCONOMY würde die soziale Frage endlich gelöst werden und der Frieden zwischen den unterschiedlichen Völkern erreicht werden.
4. Definition und Bezugstheorien
a) Wie wird "Geld" in diesem Kontext definiert?
Geld soll den Menschen als reines Tauschmittel dienen. Andernfalls werden die Menschen nur dem Geld dienen. Seine öffentliche Funktion (Tauschfunktion) ist der privaten Funktion (Wertspeicher und Hortungsmittel) vorzuziehen. Geld wird zum Zweckmittel und ist nicht mehr Machtmittel. Denn Geld wie das Blut der Wirtschaft und sollte sich auch so verhalten, nämlich ordnungsgemäß im Körper (der Wirtschaft) zirkulieren. Das von der FAIRCONOMY vorgeschlagene Freigeld (Geld mit Halte- oder Hortungsgebühr) kann sowohl in physischer als auch in digitaler Form funktionieren.
b) Gibt es spezifische Merkmale oder Eigenschaften des Geldes, die in dieser Lösung betont werden?
Das Geld wird mit einer minimalen Haltegebühr belegt, die einen konstruktiven und stabilen Geldumlauf ermöglicht. Dies ist ein ergänzendes Mittel der Zentralbanken, um Wirtschaftsstabilität und allgemeine Preisstabilität zu gewährleisten.
c) Gibt es spezifische Termini oder neue Konzepte, die in dieser Lösung verwendet werden und erklärt werden müssen? Welche relevanten Bezugstheorien oder Ansätze beeinflussen diese Lösung?
Die Geldhaltegebühr ist kein neues (Silvio Gesell hatte sie schon von über 100 Jahren vorgeschlagen), aber ein gewöhnungsbedürftiges Konzept. Es stellt ein zusätzliches Instrument der Zentralbanken dar, um den Geldumlauf und damit die allgemeine Preisstabilität zu gewährleisten. Ergänzt wird die Geldreform durch eine Bodenreform, die vorzugsweise nur noch Bodenwerte besteuert, nicht aber die darauf errichteten Gebäude. Dies begünstigt Investitionen in die Instandhaltung der Immobilien. Eine Bodensteuer ist notwendig, damit mögliche, durch die sinkenden Zinsen geförderten Immobilienpreiserhöhungen und die damit verbundenen ökonomischen Renten abgeschöpft werden. Die FAIRCONOMY bezieht sich neben der Freiwirtschaft von Silvio Gesell auch auf andere Reformideen wie z. B. die von Henry George, John M. Keynes, Pierre-Joseph Proudhon und anderen.
Die Lösung
Warum baue ich die Lösung so, um die geschilderten Probleme lösen zu können? Wie werden das neue Geld, seine Institutionen und damit das neue Geldsystem gestaltet und wie trägt es so zur Erreichung der Zielstellung bei?
5. Die Lösung:
a) Geldschöpfung: Wie wird das Geld geschaffen und in Umlauf gebracht?
Die Geldgebühr macht eine exzessive Geldschöpfung seitens der Zentralbanken (Quantitative Easing) überflüssig. Das Freigeld in der natürlichen Wirtschaftsordnung (Geld mit Haltegebühr) ist automatisch das, was im deutschen Sprachraum in der Gelreformszene als „Vollgeld“ bezeichnet wird. Umgekehrt gilt dies aber nicht. Auch wird eine Indexwährung (Warengeld nach Proudhon oder Irving Fisher) in Kombination mit einer Geldgebühr diskutiert. Die Koppelung an Waren wäre aber rein psychologischer Natur. Die Essenz des Freigeldes ist seine natürliche Verderblichkeit (Nichthortbarkeit).
b) Deckung: Wodurch ist das Geld gedeckt?
Geld wird durch seine Tauschfunktion indirekt mit anderen Waren gedeckt. Es braucht somit keine zusätzliche Deckung, da mit einer Geldhaltegebühr das Geldangebot der Geldnachfrage gleicht und sich somit das Wachstum der Geldmenge nicht, wie heute der Fall, vom Wachstum der Gütermenge abkoppelt. Es gäbe vermutlich automatisch keine Inflation noch Deflation. Möglich wäre aber, falls dies aufgrund des psychologischen Effekts gewünscht würde, eine Indexwährung wie beim Warengeld kombiniert mit der Hortungsgebühr einzuführen.
c) Geldmenge: Wie wird die Geldmenge kontrolliert und reguliert?
Die Geldmenge orientiert sich automatisch an der wirtschaftlichen Aktivität der Realwirtschaft. Heute ist dies nicht der Fall. Heute wächst die Geldmenge zinsbeding einer Exponentialfunktion folgend (was in der Geldtheorie noch nicht verstanden wird) und die reale Wirtschaft rennt, sinnbildlich gesprochen der Geldmenge hinterher. Im Freigeld gibt es keinen Zins und die Geldmenge bleibt grundsätzlich stabil. Sie kann aber bei wachsender Wirtschaft und damit einhergehender wachsender Kreditnachfrage durch den sogenannten Geldschöpfungsmultiplikator wachsen. Sie wächst dann aber im selben Verhältnis wie die Wirtschaftsleistung. Es gäbe daher weder Inflation noch Deflation. Die Zentralbanken haben zudem mehrere Optionen einzugreifen, falls das dennoch notwendig wäre. Sie können die Hortungsgebühr senken oder erhöhen. „Schwächelt“ die Wirtschaft wird die Gebühr erhöht. „Überhitzt“ die Wirtschaft wird die Gebühr gesenkt. Dies würde aber nur in Ausnahmefällen notwendig sein.
d) Kredit und Schulden: Wird Geld weiterhin durch Kredit erzeugt? Gibt es in Fällen Zins und Zinseszins?
Durch die Geldgebühr werden Kredite für einen Zins von 0% die Normalität sein. Es könnte sogar anfangs ein Überangebot von Krediten geben, da die Marktteilnehmer versuchen, der Geldgebühr zu entkommen. Sie werden also ihr nicht benötigtes Geld (Geld ohne Bedarf) langfristig anlegen. Damit steht es der Kreditvergabe (Geld für Bedarf) zur Verfügung. Sogar negativ verzinste Kredite können hier möglich werden. Es wird zur Kreditvergabe kein neues Geld gedruckt werden müssen, sondern vorhandene Liquidität würde weitergegeben. Gläubiger und Schuldner treffen sich hier also auf Augenhöhe. Banken verdienen nicht an einer Zinsmarge wie heute, sondern würden eine Vermittlungsprovision verlangen. Da das zinsbedingte exponentielle Wachstum der Geldmenge ausbleibt, gibt es langfristig kein Inflationspotential mehr.
e) Finanzmärkte: Wo liegt die Notwendigkeit von Kapital-, Devisen- und Aktienmärkten?
Diese gäbe es weiterhin, aber die kapitalistisch-irrealen Wertschwankungen (Preisblasen) wird es wohl nicht mehr geben; denn diese entstehen durch die (zinsbedingt) stetig und vor allem exponentiell wachsende Geldmenge. Spekulationsgewinne gäbe es langfristig so gut wie gar nicht mehr, da die Wahrscheinlichkeit durch Spekulation zu gewinnen im langfristigen Durchschnitt genauso groß ist, wie zu verlieren. Finanzmärkte wären reine Vermittlungsmärkte von liquiden Mitteln. Es ist möglich, dass Börsen ganz überflüssig werden, da Banken eine ähnliche Vermittlerrolle übernehmen.
f) Kapitalakkumulation: Ist es weiterhin möglich aus Geld mehr Geld zu machen? Wie entsteht Profit? Und braucht es weiterhin Eigenkapital?
Es wird nicht mehr möglich sein, Geld für sich „arbeiten“ zu lassen. Kapitalakkumulation kann hier nur noch durch Investition in die reale Wirtschaft mit entsprechendem Risiko geben. Leistungslose Einkommen in Form von ökonomischen Renten wird es daher nicht mehr geben. Profit entsteht nur noch aus eigener Arbeitsleistung und Unternehmertum (oder Beteiligung an Unternehmen). Die Anzahl der Selbstständigen wird sich in der Freiwirtschaft / FAIRCONOMY erhöhen. Es wird auch weiterhin Eigenkapital benötigt werden, es wird aber einfacher als heute, einen Kredit z.B. für eine Unternehmensgründung gewährt zu bekommen.
g) Ökonomische Bewertung: Weiterhin BIP? Wie werden ggf. sozial-ökologische Kriterien definiert und kontrolliert?
Wirtschaftswachstum kann es weiterhin geben, aber es gibt keinen zinsbedingten Wachstumszwang mehr. Das BIP würde sich vermutlich anders zusammensetzen als heute, der Finanzsektor im BIP deutlich geringer. D.h., das BIP besteht praktisch nur noch aus der Realwirtschaft. Damit kann es für die Zentralbanken als Bedarfsvorlage für die Geldmenge und/oder Geldgebühr dienen. Eine direkte Kontrolle ökologischer Kriterien wird es nicht geben, aber durch das Wegfallen des Renditezwangs werden vorzugsweise Mittel für qualitativ hochwertige und ökologisch sinnvolle Investitionen frei werden.
h) Zentralbanken: Was ist die Rolle der Zentralbank(en)?
Die Zentralbank hat dieselben Aufgaben wie heute. Sie kann aber die Wirtschafts- und allgemeine Preisstabilität besser gewährleisten als heute. Da die Hortungsgebührt den Zins überflüssig macht, würde die Geldmenge nicht mehr steig und vor allem exponentiell zinsbedingt wachsen. Wir hätten erstmals die Chance eine inflations- und deflationsfreie Wirtschaft zu erzeugen. Inflation und Deflation wird es vermutlich also ohnehin nicht mehr geben. Mit der Hortungsgebühr hat die Zentralbank zudem ein neues, hocheffektives Instrument im Werkzeugkasten, falls dieses denn tatsächlich benötigt würde.
i) Banken & Finanzinstitute: Welche Rolle spielen Banken oder andere Institutionen in diesem Geldsystem?
Geschäftsbanken und andere Finanzinstitute wird es auch weiterhin geben. Banken wären überwiegend reine Kreditvermittler.
j) Regulierung: Braucht es weiterführende Regulierung in der Lösung? Was ist mit bestehender Banken- und Finanzmarktregulatorik?
Eine FAIRCONOMY braucht weniger Regulierung und Markteingriffe als unsere heutige Wirtschaft. Es gäbe insbesondere weniger konzentrierte Märkte und damit marktbeherrschende Stellungen, die missbraucht werden könnten. Eine FAIRCONOMY bereitet somit eine optimale Basis, damit Konzepte wie etwa die Gemeinwohlbilanz der Felberschen Gemeinwohlökonomie angewendet werden können, was heute aufgrund des unserem Geldsystem inhärenten Wachstumszwangs kaum möglich ist. Da Liquiditätsengpässe (Geldmangel) ausgeschlossen werden können, wären auch Mittel frei, um ein Grundeinkommen einzuführen, wenn es nicht bereits über die Pro-Kopf-Rückverteilung der Ressourcensteuer verwirklicht worden ist (ein spezieller INWO-Vorschlag). Zu den Regularien der Finanzmärkte wird es erneute Prüfungen geben müssen, inwieweit diese nun überhaupt noch notwendig sind. Finanzkrisen wird es ohne zinsbedingt stetig wachsenden Geld- und Schuldenmenge (Geld ist immer das Gegenstück von Schuld – es kommt auf die Sichtweise an) von selbst kaum noch geben.
Größerer Kontext
Unsere Gesellschaft und auch die Zukunft des Geldes bewegen sich in einem Spannungsfeld von grundsätzlichen Fragen. Wie verhält sich oder bettet sich die Lösung in diese Marko-Fragen?
6. Demokratie, Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft
a) Wie wichtig ist die Demokratisierung der Gesellschaft für die Lösung und gibt es konkret vorgeschlagene Maßnahmen dafür?
Die Demokratie wird ohne Einfluss von kapitalistischen Interessen erstmals wirklich ermöglicht. Die FAIRCONOMY ist zwar ein rein ökonomisches Konzept, befreit aber die Demokratie von den kapitalistischen Zwängen (und Beschränkungen) und sorgt für gesellschaftliche Gleichberechtigung. Gläubiger haben keinen strukturellen Vorteil mehr gegenüber dem Schuldner.
b) Marktwirtschaftliche Prinzipien werden beibehalten?
Die FAIRCONOMY ist eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus. Vorrangig durch Änderung in der Geld- und Bodenordnung möchte die FAIRCONOMY eine von den kapitalistischen Zwängen –insbesondere dem Wachstumszwang– befreite humane, ökologische, soziale und nachhaltige Marktwirtschaft erreichen. Mit natürlichem und vor allem neutralem Geld haben wir die Chance, nun endlich die so genannte vollständige Konkurrenz in einem stationären Gleichgewicht zu erreichen.
c) Wird die heutige Rolle des Eigentums in einer Form angetastet?
Die Eigentumsordnung wird nicht angetastet. Aber die Möglichkeit, leistungslose Einkommen zu erzielen, wird es nicht mehr geben. Davon profitieren die allermeisten Menschen; denn die allermeisten Menschen sind Nettozinszahler. In der FAICONOMY werden Bodenwertsteigerungen durch Steuern abgeschöpft und kommen der Allgemeinheit wieder zugute. Bodenwertsteigerungen würden aber ohnehin nicht so hoch sein wie heute. Der Bodenwert wächst heute durch die zinsbedingt stetig wachsende Geldmenge, die investiert werden möchte. Diese Bodenwertsteigerungen (Spekulationsblasen) fallen in einer FAICONOMY automatisch weg.
d) Wird die zunehmende Digitalisierung & Automatisierung in der Lösung berücksichtigt?
Diese Bestrebungen resultieren aus dem Rendite- und Wachstumszwang und dem Fehler des heutigen Geldes. In einer FAIRCONOMY müssen Menschen nicht, wie dies heute der Fall ist, stetig und immer mehr durch Maschinen ersetzt werden, weil der Zins als Opportunitätskosten ein jedweden realwirtschaftlichen Investition wegfällt. Eine FAIRCONOMY ermöglicht daher bessere Arbeitsbedingungen und mehr Freizeit. Der Fluch der modernen automatisierten Produktion wird zum Segen der Arbeitnehmer. Die Arbeitszeit kann durch Automatisierung und Digitalisierung reduziert werden, und zwar bei vollem Lohnausgleich.
e) Wo ist die Lösung auf einer Achse von Zentralisierung-Dezentralisierung (Staat vs. Privat) anzusiedeln?
Da die FAIRCONOMY eine echte freie Marktwirtschaft ermöglicht und der Konzentrierung der Märkte entgegenwirkt, ist sie ein effizientes Mittel zur Dezentralisierung. Einzig das Notenbankprivileg der staatlichen Zentralbank wird als zentralistisches Konzept beibehalten. Zum Boden sei noch zu beachten, dass Bodenwertsteigerungen als Monopolrente verstanden und durch Steuern wie von Henry George vorgeschlagen abgeschöpft werden. Die Nutzung von Boden soll aber, anders als der ursprüngliche Vorschlag Gesells es vorsah, privat bleiben. Insgesamt baut die FAIRCONOMY staatliche Eingriffe ab, da diese vielfach unnötig werden. Die Reformen geben allerdings über die neue Geld- und Bodenordnung entsprechende Rahmenbedingungen vor, in denen Marktteilnehmer individuell eigenverantwortlich handeln können. Eine Planwirtschaft nach marxistischem Vorbild lehnt die FAIRCONOMY ab.
f) Welche Rolle nimmt die „ökologische Frage“ in der Lösung ein?
Die ökologische Frage wird durch drei Faktoren in der FAIRCONOMY gelöst. Erstens überwindet der durch die stabilisierte Geldzirkulation pendelnde Zinssatz um 0% den Renditezwang in der Wirtschaft und verhindert dadurch den exponentiellen Wirtschaftswachstumsdrang. Das führt zu einer Verringerung des Ressourcenverbrauchs und der damit einhergehenden Umweltzerstörung. Zweitens sorgt die neue Bodenordnung mittels Bodenwertsteuer für eine optimale flächensparende Nutzung des Bodens und lässt somit mehr Platz für Wälder und Naturschutzgebiete. Drittens wird durch die Ressourcensteuer mit Pro-Kopf-Rückverteilung ein sparsamer und nachhaltiger Nutzen der Ressourcen belohnt, während Ressourcenverschwendung mit hohen Steuern verbunden sein wird. Diese drei Maßnahmen fördern ökologisch nachhaltiges Verhalten aller Marktteilnehmer. Alle drei Maßnahmen beeinflussen die Lösung der ökologischen Frage nachhaltig und könnten, so das gewünscht sei, durch staatliche Förderprogramme direkt noch weiter gestutzt werden. Für die notwendige Liquidität schafft das neue Geldsystem die perfekte Basis. Wirtschaftswachstum wird, anders als heute, durch ökologische Gegebenheiten begrenzt sein, ohne dass dies, anders als heute, zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit führt.
g)Wie steht die Lösung zur Wachstumsfrage und dem Gebot, immer weiter wachsen zu müssen?
Wachstum wird nur noch bedarfsorientiert stattfinden und natürliche Grenzen nicht mehr überschritten. Wächst der Bedarf, steigt auch das Wachstum. Sinkt der Bedarf, schrumpft auch das Wachstum. Stagnierendes Wachstum wird nicht wie heute Wirtschaft und Gesellschaft schaden, sondern normal sein. Es wird kein Wachstum notwendig sein, um –wie heute– Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Es wird keinen Zins oder Rendite bedingten Wachstumszwang mehr geben. Der allgemeine Wohlstand wird anders als heute nicht durch das Null-Wachstum beeinträchtigt werden; somit ist die Wachstumsfrage keine Wohlstandsfrage mehr. Vor allem das zinsbedingte exponentielle Wachstum der Geldvermögen und der Gesamtverschuldung findet ein Ende. Weil der Zwang zum Wachstum schwindet, werden Kapazitäten frei für soziale und ökologische Projekte.
Ausblick
Wo liegen Problemfelder für die Lösung und wie kann eine erfolgreiche Transformation gelingen?
7. Potentielle Problemfelder der eigenen Lösung:
Jede in die Zukunft projizierte Idee und Lösung, besonders dieser Tragweite, bewegt sich im Unbekannten.
a) Welche Risiken oder negative Auswirkungen, könn(t)en bei der Lösung auftreten?
Eine negative Auswirkung der Geldgebühr und sinkenden Zinsen könnte sein, dass Geldanlagen vermehrt in Grund und Boden investiert werden, wodurch die Immobilienpreise noch weiter steigen. Allerding wird es keine exponentiell wachsende Geldmenge mehr geben. Es ist aber gerade diese stetig und vor allem exponentiell wachsenden Geldmenge, die heute die Bodenpreise stetig und ebenfalls exponentiell wachsen lässt; denn sie wird ganz überwiegend in Boden investiert. Bei eine konstanten Geldmengte werden auch die Priese für Investitionsgüter wie eben Grund und Boden nicht mehr steigen. Zudem wirkt die neue Bodenordnung mittels Bodensteuer der Bodenspekulation entgegen. Insgesamt wird es viel weniger Spekulation geben. Was für Grund und Boden gilt, gilt nämlich auch für andere Investitionsgüter, insbesondere Aktien, Gold oder Bitcoin. Spekulation wird unattraktiv, da langfristig die Wahrscheinlichkeit mit Spekulation zu gewinnen ebenso hoch ist, wie zu verlieren. Investitionen in die Realwirtschaft werden sich relativ mehr lohnen.
b) Gibt es Themen, die in der Lösung kaum behandelt bzw. stark vernachlässigt? Wenn ja, warum?
Freiwirtschaft schafft eine solide Basis und beste ökonomische Voraussetzungen, um Krisen wie etwa Pandemien zu begegnen. Das Thema bedingungsloses Grundeinkommens wird nur nebensächlich behandelt, da die INWO andere Maßnahmen für wichtiger hält. Auch Arbeitsrechte sind nicht unser Thema. Hier werden Gewerkschaften als weiterhin notwendig angesehen.
8. Transformation:
Gibt es konkrete Empfehlungen für die Implementierung oder weitere Forschung? Gibt es Schritte oder Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten?
Die FAIRCONOMY erzeugt durch kleine Änderungen eine große Wirkung. Es ist wichtig, den Widerspruch des heutigen Geldes in Bezug auf die Wertspeicher- und die Tauschfunktion und die damit einhergehenden Auswirkungen zu verstehen. Wir versuchen, diese Idee und das Verständnis für die Probleme, die sich aus unserem Geldsystem ergeben, in den wissenschaftlichen Kreisen bekannter zu machen. Ebenfalls sind Zentralbanken und Politiker in die Verantwortung zu ziehen, ihren Aufgaben zur Sicherung der Stabilität von Wirtschaft und Gesellschaft nachzukommen und entsprechende Reformen umzusetzen.
Konkret versuchen wir über Bildungsangebote, Literatur, Tagungen und Preisverleihungen das Konzept einer FAIRCONOMY bekannter zu machen. Im Grunde muss nur der Wille der Verantwortlichen da sein. Dieser wird leider durch den Einfluss von Interessengruppen, die vom momentanen Geldsystem profitieren, vernebelt. Aber selbst Supereiche sollten verstehen, dass am Ende alle Menschen, auch sie, in einer FAIRCONOMY an Lebensqualität und Wohlstand gewinnen, selbst wenn leistungslose Einkommen dann nicht mehr bezogen werden können.
Sowohl theoretisch als auch praktisch gibt es nachvollziehbare Belege für die Wirkungen der Freiwirtschaft / FAIRCONOMY, z. B. das sogenannte „Wunder von Wörgl“. Praktische Pionierarbeit wird heute insbesondere von Regional-oder Komplementärwährungen nach Silvio Gesell geleistet. Anerkennung für Pionierarbeit in der Theorie gibt es durch unseren Silvio-Gesell Preis, der 2024 erstmals an den Ökonom Willem Buiter verliehen wurde.
Des Weiteren kann die Einführung des Freigeldes, also einem Geld mit Haltegebühr auf sehr viele verschiedene Weisen erfolgen. Die FAIRCONOMY kann zudem auf verschiedenen Ebenen angewendet werden wie etwa auf regionaler Ebene (Regionalwährungen), nationaler Ebene und internationaler Ebene (siehe Internationale Valuta Assoziation nach Gesell oder Bancor-Plan nach Keynes). Die FAIRCONOMY ist ein sehr flexibles Konzept und kann andere Konzepte wie eine „Gemeinwohlökonomie“ ergänzen.

